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Schwert & Buckler Seminar nach I33

Samstag, 28 November 2015

Ein Seminarbericht

Am Wochenende des 12. und 13. Dezember war Julia Gräf bei uns in München zu Gast um nach einem der bekanntesten und auch ältesten Fechtmanuskripte überhaupt zu unterrichten: Dem I33.

 

Julia Gräf (links) mit einer begeisterten und wissbegierigen Schülerin

Im I33 oder auch "Towerfechtbuch" bzw. "Walpurgisfechtbuch" genannt sind Zweikampftechniken mit dem Schwert & Buckler aufgezeichnet. Einer Waffenkombination, die bis zum hohen aber auch noch im späten Mittelalter eine sehr gebräuchliche gewesen sein muss. Auch ist der Faustschilld oder der sogenannte "Buckler" die optimale Wahl für einen Zweikampf.

 

Das Manuskript stellt die älteste (bisher bekannte) Aufzeichnung von Zweikampftechniken in der Form detailierter Instruktionen überhaupt dar. In der gesamten Menschheitsgeschichte gibt es bislang kein vergleichbar älteres Produkt. Zwar finden wir viele Abbildungen von Kampfszenen oder Schlachten- bzw. Taktikbeschreibungen - schon auf Höhlenmalereien wurden Kampfszenen entdeckt. Das I33 ist jedoch das erste "Buch" in dem Techniken wirklich detailiert und vergleichend erläutert werden. Es leitet damit in Europa eine Ära ein bzw. ist das erste bisher gefundene Expemplar dieser Epoche voller Zweikampf-Manuskripte.

Bemerkenswert ist, dass das Manuskript nicht etwa aus der Hand eines Fechtmeisters oder Adligen stammt, sondern anscheinend in einem Kloster oder einer Abtei verfasst wurde. Der Mönch "Liutger" bringt seinem Schüler versierte Zweikampf- und Duelltechniken bei, mit denen er dem "normalen" bzw. gemeinen Fechter überlegen sei.

 

Dies beweist, dass die Techniken derer wir uns heute im HEMA bedienen und die wir studieren damals nur ausgewählten und bestimmten Personen zugänglich gewesen sein müssen.

Das Arbeiten mit Schwert & Buckler erfordet viel Konzentration und ein hohes Können. Oft müssen mit beiden Waffen unabhängige Bewegungen simultan ausgeführt werden oder die Zeitabstände in denen beide Waffen eingesetzt werden sind so knapp bemessen, dass beide Übungspartner viele Abläufe sehr langsam und bewusst ausführen müssen.

 

Aber gerade darin liegt sehr viel Reiz für viele Fechter. Und wegen dieser Präszision und dem Zusammenspiel beider "Werkzeuge" macht das Kämpfen mit Schwert & Buckler so viel Spaß und fasziniert viele Kamfpsportler der HEMA Gemeinde - aber auch viele Mittelalterdarsteller die wissen möchten, wie den "wirklich" mit den Waffen ihrer "Darstellung" gefochten wurde.

 

Wir hatten ein wirklich spannendes, interessantes aber auch anstrengendes Wochenende und freuen uns auf die Fortsetzung dieser Seminarreihe 2016!

 

Danke an die Teilnehmer und vor allen Dingen an Julia Gräf!

 

 

Thomas Brennauer
Montag, 14 Dezember 2015

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