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Joachim Meyer - Ein Seminarbericht

Samstag, 16 Juli 2016

 

Am 17. Juli 2016 hielt Sven Baumgarten in München ein mehr als 10 stündiges Seminar zum Thema Meyer, seine Stücke und Taktiken.

 

Meyer … Meyer … Meyer Joachim

Warum denn nun immer Joachim Meyer, denkt sich vielleicht der ein oder andere…

Meyer war einer der letzten, uns bekannten Fechtmeister des ausgehenden 16 Jahrhunderts der sich stark mit dem Langen Schwert auseinandersetzte. Über sein Leben ist vieles bekannt und er hat uns mit seinem Buch „Gründtliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des Fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren und mit vil schönen und nützlichen Figuren gezieret und fürgestellet“ eine wirklich ausführliche Beschreibung des damaligen Fechtens / Kämpfens mit verschiedenen Waffen hinterlassen. Das Buch hat 454 Seiten und besteht aus fünf Teilen: Langschwert, Dussack, Rapier, Dolch mit Ringen und Stangenwaffen.

Geboren im Jahr 1537 in Basel ist er vermutlich um 1550 nach Straßburg gezogen, hat dort zuerst als Messerschmied gearbeitet und war als Fechtmeister aktiv. Dort hat er sich lange um das Abhalten einer Fechtschule bemüht. Sein oben genanntes Buch hat er dann bereits als ‚Freyfechter und Bürger von Straßburg‘ signiert. Der Status als freier Bürger einer Stadt war eine wichtige Voraussetzung um als Fechtmeister sogenannte Fechtböden abhalten zu dürfen. Das Fechten oder Kämpfen war für die Bürger einer Stadt nicht nur eine „Freizeit Beschäftigung“; es war verpflichtend um bei der Verteidigung der Stadt tatkräftige Unterstützung zu leisten!

 

(Sven Baumgarten bei der Demonstration eines typischen Zufechtens nach Meyer)


In den vorangegangenen Jahrhunderten, vor der Zeit der Fechtgilden und einer zivil erstarkten Bevölkerung, die zum Großteil in freien Reichsstädten lebten, wurden Fechtmeister oder -lehrer gerne zum ‚fahrenden Volk‘ gerechnet. Damit galten sie oft als zwielichtige Person. Bekannt ist aus dieser Zeit der Begriff der „Klopffechter“. So konnten freie Bauern oder Bürger für einen Zeitraum in der Kunst des Fechtens unterrichten – oft auf Jahrmärkten. Um diesem Treiben Einhalt zu bieten und der (Handwerks-)Kunst die sie unterrichteten einen besseren Stand zu geben, bemühten sich die Fechtlehrer um eine Anerkennung seitens des Adels und der Obrigkeiten.

So müssen wir davon ausgehen, dass es mindestens ab 1450 Fechtgilden bzw. eine Fechterzunft in den Städten gegeben hat. In einem Fechtbuch Hans Talhoffers von 1459 finden wir bei seinem Wappen den „geflügelten Löwen“ – das Symbol der Marx Brüder. Diese Fechtbruderschaft erhielt am 10. August 1487 von Kaiser Friedrich III, das Privileg als einzige Fechtergilde im gesamten Reich den Titel „Meister des Schwerts“ verleihen zu dürfen. 1474 findet sich die erste Erwähnung der Gilde in einem Frankfurter Kassenbuch. Und genau so ein Fechtmeister welcher welcher zivilen Fechtunterricht gab, muss auch unser Joachim Meyer gewesen sein.

 

Nur warum denn nun einer der Letzten?

Zu seinen Lebzeiten, hatte das Schwert als Kriegswaffe bereits seit gut 50 – 100 Jahren ausgedient. In Italien beispielsweise wurde seit 30 – 40 Jahren bereits vermehrt nur noch mit dem Rapier / Degen gefochten. Beides, Schwert und Degen, wurde doch immer mehr durch die Weiterentwicklung der diversen Schusswaffen verdrängt. Sowohl das Langschwert als auch der Degen galten nichts desto trotz noch als Standessymbol und waren Teil der Repräsentation als Freier Bürger oder Adliger. Die deutsche Fechtschule und die Gilden die sie unterrichteten, hielten noch lange an dieser Tradition fest. So musste auch Joachim Meyer das Fechten mit dem Langschwert beherrschen und lehren können. Als Beweis seiner Kunstfertigkeit als Fechtmeister. Ein Glück für uns, dass Joachim Meyer so überzeugt vom Fechten war – und sicher auch von sich selbst – und uns mit seinem Buch eine Vielzahl an technisch anspruchsvollen Stücken mit dem Langschwert, Dussack, Degen hinterlassen hat. Dummerweise hatte er sich bei der Produktion des Buches verschuldet und musste, um diese bezahlen zu können, in den Dienst von Herzog Johann Albrecht I. zu Mecklenburg treten. Auf der Reise dorthin zog er sich eine Lungenentzündung und starb kurz nach seiner Ankunft in Schwerin. 

 

Viel zu lernen es gibt ... ;-)

Wir, die wir die Kampfkunst Joachim Meyers begeistert nachvollziehen versuchen, durften an dem Seminar von Sven Baumgarten eine Menge lernen und vor allen Dingen noch mehr üben!

 

Meyer setzt durch das Verbot von Stichen während der Wettkämpfe auf sehr ausgefallene Hiebkombinationen und vor allen Dingen auf sogenannte „Fehler“ – also Finten. Diese Finten, von denen viele auf Körpertäuschungen bauen, sind in hoher Geschwindigkeit oft nur von geübten Kampfsportler auszufühhren und setzen ein Höchstmaß an Koordination und Körperbeherrschung vorraus.

 

Aber genau das macht die Faszination „Meyer“ aus! Oft werden mehrere Hiebe und deren Ableitung in einem Angriff verlangt und der "Meister" macht ordentlichh Gebrauch von einer sehr dynamischen Beinarbeit. Die Fechterinnen und Fechter müssen sich ordentlich ins Zeug legen.

 

Nur ein durchtrainierter Körper und Geist ist in der Lage die Techniken so zu fechten, wie sie Meyer zu seinen Zeiten lehrte und aufschreiben lies. Schnelle Wechsel und tiefe Postionen sind an der Tagesordnung

 

Schon aus diesem Grund gilt das "Miestern" von Meyer für uns bei Gladiatores als eine der Abschluss unserer Ausbildung.

 

Feder oder Schwert?

Vielleicht frägt sich der ein oder andere, warum wir Meyer gerne mit Langschwertern mit breiter Klinge fechten, obwohl zu Zeiten von Meyer fast ausschließlich die Feder zugelassen waren.

 

Das hat einen einfachen Grund: Wir empfinden, dass die Techniken, welche zu Zeiten Meyers aufgeschrieben wurden, ebenso gut mit einem breiteren Langschwert zu meistern sind. Das Arbeiten mit vollflächigeren Klingen bietet uns als Fechter dazu noch bessere taktile Signale. Das bedeutet man spürt einfach mehr beim Klingenkontakt.

 

So nehmen wir heute an, dass die Fechtfeder erfunden und für Fechtschulen genutzt wurde, um unter anderem die Verletzungsgefahr für die Fechter herabzusetzen. Die Techniken welche Meyer in seinen Schriften lehrt, kann man aber ebensogut mit einem "normalen" Langschwert üben.

Natürlich dürfen und sollen unsere Fechter auch die Feder nutzen und damit trainieren!

 

Wir freuen uns schon auf das nächste Seminar mit Sven und vielen neuen Impulsen!

 

 Euer Gladiatores Team ;-)

Thomas Brennauer
Sonntag, 16 April 2017

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