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The Tournament 3

Samstag, 06 Dezember 2014

Am 06.12.2014, war es mal wieder so weit: In München wurden die Klingen gekreuzt!

30 Fechter und Fechterinnen aus ganz Bayern kämpften in den Disziplinen Langschwert, Schwert & Buckler und einer eigenen Damenklasse um die Plätze.

 

Dabei standen uns dank unserer zwei Fechthallen zwei Kampfflächen zur Verfügung, auf denen im Minutentakt ein Kampf nach dem anderen seinen Gang nahm. Damit dieses Unterfangen reibungslos und optimal über die Bühne gehen konnte, brauchte es ein top eingespieltes und aufeinander abgestimmtes Team: 14 Helferinnen und Helfer zeigten nicht nur rund um die beiden Kampfflächen ihren Einsatz, sondern auch an unserer Theke und dem Zentrum des Schaltens und Waltens, unserem Büro ging es von 8 Uhr Früh bis 22 Uhr abends hoch her.

 

Ein besonderes Dank geht an unser Thekenteam: Florence Eichfelder und Franziska Götschel, die das gesamte Team, unsere Teilnehmer und Gäste mit Café, belegten Semmeln und heißen Wienern versorgten. Auch Claudia Bernstein, die sich eigentlich krankheitsbedingt abmelden musste, ließ es sich nicht nehmen, uns dennoch zu besuchen und immer wieder die Theke zu unterstützen. Das Büro – das "Gehirn" unseres Turniers - war in diesem Jahr erneut von Frank Grabmeier und Martin Koch besetzt. Um dort nicht komplett vom Geschehen abgemeldet zu sein, hatte man sich eine „GoPro“ mit Direktübertragung ins Büro installiert. Leider war es uns technischen Gründen nicht möglich, diesen Stream aufzuzeichnen.

 

Von dieser Initiative angeregt, überlegen wir jetzt, das Turnier im kommenden Jahr durch einen Lifestream ins Internet zu übertragen! Aber auch alle anderen Helfer, möchte ich ein großes Dankeschön aussprechen: Sebastian Tschurri, Robert Matthes, Radek Oracz die als Kampfleiter viel Verantwortung trugen. Und natürlich dem ganzen Trainerteam, das an diesem Tag Zeit hatte und wie immer voll mit dabei war: Daniel Guggenbichler, Max Floßmann, Oli Hawlitschek und Christian Eichfelder. Diese waren als Schiedsrichter und Kampfleiter ebenso ständig im Einsatz und mussten oft unter starkem Druck Leistung bringen.

 

Jedes Jahr aufs Neue ist eines unserer wichtigsten Anliegen und die größte Herausforderung unseren Teilnehmern so viele Kämpfe wie möglich bieten zu können. Natürlich scheint es in erster Linie wichtig zu gewinnen und auf dem Treppchen zu stehen, jedoch finden wir, dass Kampferfahrung und das Erleben eines Gefechts unter Wettkampfbedingungen bei weitem mehr zählt, als in schneller Folge eine Platzierung zu erringen.

 

Daher versuchen wir in jedem Jahr die Gruppenphase so auszutüfteln, dass im Endeffekt jeder Teilnehmer mindestens fünf Kämpfe absolvieren kann. Für die Langschwertklasse waren in diesem Jahr exakt 24 Teilnehmer angemeldet. Anstatt sie in vier Gruppen zu je sechs Kämpfern antreten zu lassen, wählte ich eine ungerade Gruppenanzahl. So wurden unsere Teilnehmer in drei Gruppen zu je acht Teilnehmer aufgeteilt und jeder Teilnehmer kam auf ganze sieben Kämpfe in der Gruppenphase.

 

 

 

Ein kleines Resume

Wenn wir auf die Ergebnisse schauen, hatten wir in diesem Jahr eine Gruppenphase die stark von zwei „Lagern“ dominiert wurde. Das der eher technischen Fechter, welche aus der Distanz mit guter Handarbeit fechten und das derjenigen die mit starkem Körpereinsatz und einem raschen Vorstoßen in die enge Mensur das Geschehen dominierten. Aus diesen beiden Fraktionen kann man gerade zwei Fechter hervorheben: Thomas Bögle mit einer sehr guten taktischen und fechterischen Arbeitsweise und der spätere Gewinner Matthias Joas mit immensen Körpereinsatz.

 

Beide dominierten in der Gruppenphase durch starke Kämpfe und brachten das Kunststück fertig in sieben Gefechten im Schnitt unter einem Gegentreffer pro Kampf zu bleiben. Das Bemerkenswerte ist, dass wir hier eben zwei Kämpfer mit vollkommen unterschiedlichen Stilen hatten. Wenn ich nun sage, der technische Stil tendiere eher in die Richtung des Sportfechten und der körperbetonte Stil mehr in die "realistisch - historische" Richtung, dann tue ich natürlich gerade den Fechtern unrecht, die anstatt in der engen Kampfzone zu handeln, versuchen aus der Distanz mit guter Technung und ausgefeilter Handarbeit zu fechten.

 

Jedoch muss man dabei beachten, dass das körperbetonte Fechten in der engen Mensur eine gewisse Realitätsnähe in sich birgt. Und wenn man es untersagt, dann geht unser Sport vielleicht ein Stück mehr in die Richtung des zeitgenössischen Sportfechtens: Gültige Treffer durch bloße Berührung, Punktevergabe durch Elektroden unterstützte Treffermeldung, das Reglementieren auf Trefferzonen und die Einführung von "Angriffsrecht". Das sind alles sind Dinge, die wir HEMA Fechter nicht wollen. Und daher müssen wir uns die Frage stellen: Wo fangen wir an zu reglementieren und wo möchten wir aufhören?

 

 

Jeder Fechter ist ein guter Fechter,

  1. der seine eigene Technik anbringen kann
  2. die Technik des Gegners auszuschalten weiß

 

Ich konnte beobachten dass viele Leute, die dem körperbetonten Fechten "zum Opfer fielen", die aus dem Ring geworfen wurden oder niedergerungen worden sind augenmerklich einen schlechten Stand hatten: Oft wurden Sie erwischt, als das eigene Körpergewicht nach hinten verlagert wurde oder die Beinstellung zu eng war. Schon die alten Fechtmeister wussten um die Wichtigkeit eines breiten und festen Standes und in zahlreichen asiatischen Kampfkünsten ist es unablässlich und wird ohne Ende geübt. Und exakt das wird bei vielen, ich möchte einmal behaupten beim Gros der meisten Freifechter, heute vernachlässigt: Eine saubere Beinarbeit und ein ausgewogener Stand.

 

 

Ein guter Fechter ist ein ausgewogener Fechter. Egal ob er aus der Distanz mit guter Handarbeit arbeitet oder versucht in die enge Mensur zu gelangen und ein Leibringen anzusetzen. Beides braucht viel Übung und zahllose Trainingslektionen, in denen immer wieder diese Situationen geübt werden. Kämpfen lernt man beim Kämpfen - aber bevor man das kann, müssen die Grundlagen bis zur Weißglut geübt werden. Ich ziehe da immer gerne einen Vergleich aus dem Autosport heran: Ralley Fahren lernt man auch nicht beim Ralley Fahren ... sondern erstmal in der Fahrschule.

 

Hier sieht man Jean Friemann mit einem schönen Einsatz gegen Jan Dovica

 

Matthias Joas bei einem taktisch klugen und kraftvollen Eindringen in die Enge Distanz.

Der Hieb der auf seinen Rücken geht wird durch seine Körper- und Kopfhaltung fast jeder Kraft beraubt und landet, nur mehr mit der Stärke geschlagen dem Rücken.

 

Thomas Bögle bei einem schön gedecktem Angriff aus der Distanz

 

Schwert & Buckler in voller Aktion

Wohin unser Sport in seiner Wettkampfsparte aber geht, wird die Mehrheit der Historischen Fechter und vielleicht in der Zukunft leider auch Sponsoren entscheiden.

 

Eines ist jedoch bei jedem Wettkampf und Aufeinandertreffen das Wichtigste: Der Spaß und die Faszinantion an diesem Hobby! Ich freue mich, dies mit Euch allen teilen zu dürfen!

 

Die Ergebnisse in diesem Jahr:

 

Damen Langschwert:

  1. Rosanna Farlock / Freier Schwertkreis Deutschland e.v. / Freising
  2. Jean Friemann / Gladiatores / München
  3. Helga Ziegler / Gladii Pontis

 

Herren Langschwert:

  1. Matthias Joas / Hybridae Invitii e.V. / Kirchanschöring
  2. Stefan Roth / Gladii Pontis / Urbach
  3. Thomas Bögle / Europäische Schwertkunst / Augsburg

 

 

Schwert & Buckler:

  1. Matthias Joas / Hybridae Invitii e.V. / Kirchanschöring
  2. Stefan Roth / Gladii Pontis / Urbach
  3. Florian Hohenadl / Hybridae Invitii e.V. / Kammer

 

Auf jeden Fall aber hatten wir in diesem Jahr wieder einen riesen Spaß mit Euch allen und freuen uns auf das kommende Jahr und das Turnier 2015!

 

Und natürlich alle anderen Momente, mit denen wir alle zusammen dieses neue, faszinierende Hobby mit den vielen Facetten teilen und aufeinander treffen - egal ob zum Trainieren oder Kämpfen ;-)

Euer Tom Brennauer

 

 

 

 

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