Die Deutsche Schule

 

Die sogenannte "Deutsche Schule" beginnt für uns offiziell mit dem ca. 1295 veröffentlichten Towerfechtbuch, in dem der Mönch Luitger den Kampf des geschulten Fechters mit Schwert & Buckler beschreibt.

Ende des 14. Jahrhunderts beginnt dann die Zeit der großen Fechtmeister und deren Manuskripten und Bücher. Beginnend mit Johann Liechtenauer, der die Kunst des Kampfes mit dem langen Schwert in seinen Reisen ergründet und als erster hat aufschreiben lassen, bis zu den 16 Fechtern, die Fechtmeister Paulus Kal zu Landshut im Jahr 1471 in seiner Auflistung als  Meister der"Gesellschaft Liechtenauers" bezeichnet hat. Weiter über den sehr bekannten Hans Talhofer bis zu den Fechtmeistern der aufblühenden Neuzeit wie Paulus Hector Mair und Joachim Meyer, kurz vor Ende des 16. Jahrhunderts.

Diese Blütezeit und gleichzeitig auch Endzeit des bewaffneten Kampfes mit Blankwaffen kann man über den Daumen gepeilt auf ca. 250  Jahre angeben, in der vor allen Dingen deutsche Fechtmeister von sich reden machten und in ganz Europa bekannt und geachtet waren. Daher sind auch die Waffen der Deutschen Schule eben jene, die zu dieser Zeit für die Kriegsführung eingesetzt oder zur eigenen Selbstverteidigung getragen wurden.

Die dort am meisten verehrte und aufgeführte Waffe ist das Lange Schwert. Die Kampfkunst mit dem Langschwert ist gleichermaßen Hieb- und Stichlastig. Auch wenn man heutzutage viel an die "Schlagkraft" von zweihändig geführten Waffen glaubt, was auch zweifelsohne der Fall ist, so ist die Führung eines fast eineinhalb Meter langen Schwert dennoch erstaunlich präzise und fein.

Das die Kampfkunst des zu Ende gehenden Mittelalters noch direkt Verwendung in der Kriegsführung fand, das sieht man vor allen Dingen daran, dass in den Fechtbüchern der Kampf zu Pferd und der geharrnischte Kampf in den Manuskripten eine noch sehr wesentliche Rolle spielen.

Im Allgemeinen umfasst die "Deutsche Schule" für uns folgende Waffen:

  • Langschwert
  • Langschwert im Nahkampf / Geharrnischt (Halbschwert)
  • Schwert & Buckler
  • Langmesser
  • Dolch
  • Ringen
  • Stangenwaffen / Mordaxt
  • Roßfechten

 

Die wichtigsten Namen und Fechtbücher der deutschen Schule sind:

  • Johannes Liechtenauer und der sog. "Codex Döbringer" MS3227a)
  • Peter von Danzig und der Codex. 44 A 8
  • Hans Tahlhofer und seine Bücher: Königsegger Codex
  • Joachim Meyer (Fechtbuch von 1570)
  • Codex Wallerstein mit unbekanntem oder mehreren Autoren
  • Johannes Leckküchner mit "Kunst des Messerfechtens" Cgm 582

 

Die anderen "Fechtmeister"

Die Bezeichnung dieses Stil als "Deutsche Schule" soll natürlich nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es auch Fechtmeister anderer Länder gegeben hat und, dass auch diese große Kämpfer und Entwickler der damaligen Kampfkunst waren.

So kann man zum Beispiel davon ausgehen, dass der italienische Fechtmeister Firoe d'ei Libre sogar Einfluss auf Johann Liechtenauer hatte und sich dieser in seinen Reisen auch Wissen und KnowHow des Italieners zu eigen machte. Und auch Fiore brachte sehr früh, bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts einige - auch für die heutige Zeit - immens wichtige Werke der Fechtkunst heraus.