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Unser Ausbildungssystem

 

Unser Ausbildungssytem gliedert sich in drei unterschiedliche Stufen:

  • Die Grundschule für Einsteiger und die ersten beiden Jahre
  • Die Hohe Schule für fortgeschrittene Fechter
  • Die Meisterklasse

 

1. Die Grundschule: Das Erlernen der Basisfertigkeiten

Ziel dieses ersten Ausbildungsabschnitts ist das Kennlernen des Schwertes, das Beherrschen des eigenen Körpers und das Begreifen der vielen Dinge, die passieren können, wenn zwei Stahlklingen aufeinander treffen. Nach dieser Zeit beherrscht man das Zusammenspiel von Waffe und eigenem Körper größtenteils intuitiv und ohne darüber nachdenken zu müssen. Bei entsprechender Motivation dauert dieser Abschnitt meist zwei bis drei Jahre.

Damit diese wichtige Phase des Lernens erfolgreich aber vor allem immer gefahrenfrei durchschritten werden kann, wird die Situation von Angriff und gleichzeitigem Gegenangriff vermieden. Unsere Grundschüler fechten immer „aus dem Nach“.* Das bedeutet einen steten Wechsel von Angriff, Parade und Konter. Dieses Prinzip verschafft den beiden Partnern am Anfang ihrer Ausbildung die Zeit und damit die Möglichkeit, wichtige fechterische Begriffe, wie Distanz, Timing und Körperbeherrschung zu verstehen.

Im Laufe der Grundschule lernt ihr alle Formen des direkten Angriffs (Hiebe, Stiche, Schnitte) und eine Vielzahl von Möglichkeiten, einen solchen zu versetzen und zu kontern. Ebenso gehören zur Grundschule Soloübungen und Drills: Hieb- und Versatzungskombinationen, die man entweder in der Gruppe, oder aber auch alleine vor dem Spiegel zuhause üben kann.

Dabei verfolgen wir immer das eine Ziel: Die Einheit von Waffe und Körper und deren richtiger Einsatz bezüglich Distanz und Timing. Ist dieses Ziel erreicht, könnt ihr in die "Hohe Schule" und damit das Fortgeschrittenen-Training einsteigen.

 

2. Die Hohe Schule: Fortgeschritten Trainieren

Unsere "Hohe Schule" ist das Fechten im Indes und Vor – genauso wie es uns von den Fechtmeistern des Mittelalters überliefert wurde. Indes und Vor bedeutet, dass man während eines Angriffs einen gleichzeitigen eigenen Angriff ausführt, oder dass man dem Gegner, indem man ihm ständig das Reagieren auf neue Bedrohungen aufzwingt, gar keine Chance auf einen Gegenangriff zugesteht.

Viele Fechtschulen heutzutage beginnen mit genau diesen Techniken des Indes und Vor, ohne auf eine fundierte Grundausbildung ihrer Schüler Wert zu legen. Unserer Meinung nach fehlt jedoch Fechtern mit wenig Erfahrung oder gar Sport-Neueinsteigern die notwendige Reife und Fähigkeit, dieses wirklich sinnvoll umzusetzen. Wir müssen bedenken, dass die Lehren die uns von damals überliefert sind, oft nur erfahrenen Fechtern, gut gestellten Söldnern oder Adligen – also „Eingeweihten“ zugänglich waren.

In den Grundzügen und ersten Graduierungsstufen orientiert sich unsere Hohe Schule stark an den Lehren des Fechtmeisters Johann Liechtenauer. Nach und nach fließen jedoch auch die Werke zahlreicher anderer Fechtmeister (darunter etwa Joachim Meyer und Hans Talhofer) sowie Fechtbücher unbekannter Autoren (wie etwa der Codex Wallerstein) in den Lehrkanon unserer Hohen Schule ein.

Ab dieser Stufe ist es auch sinnvoll, sich dem Freikampf, also dem sportlichen Wettkampf, oder dem szenischen Fechten zu widmen. Natürlich kann beides zu einem früheren Zeitpunkt schon geübt werden. Aber die erforderliche technische Reife und damit auch die notwendige Sicherheit dafür ist erst vollkommen erreicht, wenn man Körper und Waffe so beherrscht, wie es ab dieser Stufe gefordert wird.

 

3. Die Meisterklasse: Geselle

Wer nun dem Schwertkampf und der Fechtkunst über Jahre treu bleibt und die Herausforderung sucht, kann sich bei Gladiatores zu einem „Meister“ der Kunst weiterbilden. Der Weg dahin könnte über Gesellen-Ränge führen:

Als Jemand, der sein technisches Werkzeug souverän beherrscht, beginnt der Geselle, sich selbst zu schulen und wird die Zusammenhänge zwischen Tempo, Mensur und Gespür an der Waffe nicht nur theoretisch, sondern unbewusst begreifen lernen. Ich spreche gerne davon, dass die Waffe und die Physik beginnt, zu einem selbst zu sprechen. Für ihre Prüfungen studieren unsere Gesellen die Fechtbücher von Peter von Danzig und Fechtmeister Joachim Meyer, sowie den Codex Wallerstein eigenständig und müssen diese Werke für Prüfungen beherrschen und den Geist der Fechtmeister dahinter verstehen. Dabei gilt es jedoch nicht nur das Langschwert zu beherrschen, sondern mit steigender Graduierung auch das Können an einer, zwei oder drei weiteren Waffen, welche in den betreffenden Fechtbüchern behandelt werden, zu demonstrieren.

Dennoch möchte ich noch etwas anmerken: Die "Meisterschule" muss nicht zwangsläufig zum Meisterrang führen. Ein Meister seiner Kunst zu sein, das bedeutet, selber ein Schöpfer, ein Erschaffer von neuer Kunst und Wissen zu sein. Mit der Absolvierung der drei Gesellenränge kann man sich mit Fug und Recht als vollendeten Kampfkünstler bezeichnen. Das Wesen der Meisterschaft bedeutet aber, einen mehrheitlichen Teil des eigenen Lebens dieser Kunst zu widmen und für diese Kunst zu leben.

 

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